Im ersten Teil der Serie: Erkenne den Crash bevor er eintritt :Teil 1, zu dem Du hier gelangst, ging es darum, wie sich der Markt bei einem Crash verhält. Außerdem, wie groß die Gefahr ist, dass der Crash über Nacht kommt. In diesem zweiten Teil, zeige ich Dir nun das erste Werkzeug, das etwas mit der Volatilität zu tun hat.

Dadurch bist Du in der Lage, den Crash zuverlässig zu erkennen, bevor es an den Märkten kracht.

 

WAS IST DIE VOLATILITÄT?

 

Als erstes, erkläre ich Dir die Grundlagen, um den dahinter liegenden Gedanken zu verstehen.

Das erste Anzeichen um einen bevorstehenden Crash zu erkennen, bezieht sich auf die Volatilität der Optionen im S&P 500. Das klingt erst einmal kompliziert, ist es aber wirklich nicht.

Was ist die Volatilität? Als Volatilität wird die Schwankungsbreite bezeichnet. Die Volatilität steigt dabei in beide Richtungen. Steigt also ein Basiswert (z.B eine Aktie oder ein Index), steigt auch seine Volatilität. Fällt er, steigt seine Volatilität ebenso. Bewegt sich ein Basiswert überhaupt nicht, dann wäre seine Volatilität null.

Wenn also zum Beispiel eine Aktie stark schwankt, dann ist die Volatilität dieser Aktie hoch. In der Regel ist es so, dass Aktien, stärker schwanken, je kleiner sie sind. Dazu kommt, dass Aktien im Technologiebereich, stärker schwanken, als Aktien im Bereich der Konsumgüter. Der Grund ist, dass die Zukunft von Konsumgütern deutlich einfacher vorherzusehen ist, als die Zukunft von Technologie.

Der Nasdaq Composite Indes (Index indem 3.000 Technologie-Aktien der USA enthalten sind) schwankt also deutlich stärker, als der Dow Jones Index (Enthält 30 der größten Unternehmen der USA). Der Nasdaq, hat somit eine höhere Volatilität, als der Dow Jones.

Beispielsweise hat die Aktie von dem kleinen Softwarehersteller Allscritps Helthcare Solutions eine deutlich höhere Volatilität, als der große Pharmahersteller Johnson&Johnson.

Hier der Chart von Allscritps Helthcare Solutions:

Allscripts Helthcare

Quelle

Zum Vergleich die Aktie von Johnson&Johnson:

Johnson&Johnson

Quelle

 

VOLATILITÄT DER OPTIONEN

 

Eine Option ist vereinfacht gesagt, eine Versicherung gegen fallende oder steigende Kurse. Steigt die Angst, dann werden die Versicherungen (aufgrund der höheren Nachfrage) teuer.

Bei der Volatilität der Optionen gibt es einen Unterschied zu der allgemeinen Volatilität. Da Optionen sich auf die Zukunft beziehen, wird die „erwartete“ Volatilität herangezogen. Die erwartete Volatilität nennt sich implizite Volatilität und wird anhand der Nachfrage berechnet. Dadurch ist es möglich, dass der Preis der Optionen steigt, auch wenn sich der Basiswert nicht bewegt hat.

Wenn Du bei einer niedrigen Volatilität (geringe Nachfrage) eine Versicherung auf den S&P 500 kaufst, zahlst Du einmal angenommen 100 Euro. Wenn die Volatilität (Unsicherheit) stark ansteigt, dann steigt ebenso der Preis für eine solche Versicherung, auf zum Beispiel 500 Euro.

Zum Verständnis ein kleines Beispiel:

Willst Du Dein Auto versichern, dann ist die Versicherung relativ preiswert. Wurde Dein Auto aber geklaut und es wäre möglich, Dein Auto im nachhinein zu versichern, dann wäre die Versicherung (aufgrund Deiner höheren Nachfrage) wohl deutlich teurer.

Steigt also die Nachfrage nach einer Versicherung, steigt auch der Preis dafür.

 

WARUM KOMMT ES ÜBERHAUPT ZU EINEM CRASH?

 

Viele Leien glauben, dass ein Crash aus dem Nichts kommt und einfach so entsteht. Tatsächlich ist es so, dass der Kurs erst dann sinkt, wenn der Großteil der Marktteilnehmer glaubt, dass der Kurs sinkt und seine Aktien verkauft.

Ein großer Fondsmanager denkt also, dass der Markt sein Hoch erreicht hat und fängt an Aktien zu verkaufen, bzw. sein Depot über den Kauf von Optionen abzusichern.

Dadurch, dass durch den Verkauf der Aktien der Kurs sinkt, glauben immer mehr Anleger, dass der Kurs weiter sinken wird und verkaufen auch. Der Kurs fällt tatsächlich und immer mehr Anleger bekommen Angst, dass der Kurs noch weiter fallen könnte und verkaufen ebenso. Die Spirale ist los getreten und der Kurs sinkt immer weiter.

Wenn die ersten Anleger dann bemerken, dass der Kurs mittlerweile viel niedriger ist, als es tatsächlich gerechtfertigt wäre, fangen sie wieder an zu kaufen. Der Kurs beginnt zu steigen. Immer mehr Anleger glauben, dass der Kurs auch in Zukunft steigt und kaufen, was zu einem weiteren Anstieg des Kurses führt.

Dass der Kurs sinkt und es zu einem Crash kommt, ist quasi eine selbst erfüllende Prophezeiung.

 

WIE DU DAS FÜR DICH NUTZEN KANNST

 

Wenn die ersten Anleger glauben, dass der Kurs sinken wird, verkaufen sie also Aktien.

Die großen Fondsmanager und institutionellen Anleger haben im Gegensatz zu uns Privatanleger ein Problem. Sie können nicht einfach auf den Knopf drücken und alle Aktien verkaufen, da es sich um viele Milliarden Euro bzw. US-Dollar handelt.

Würden Sie alle Aktien auf einmal verkaufen, würde der Markt direkt einbrechen und sie würden für die Aktien, durch den fallenden Kurs, immer weniger Geld bekommen.

Der zweite Grund, dass Fondsmanager nie alle Aktien verkaufen liegt daran, dass sie vor einem Crash natürlich nie wissen, wie groß der Crash wird und wann die Kurse wieder steigen. Verkaufen sie alle Aktien und der Kurs steigt wieder, sind sie nicht dabei. Sie müssten ihre Aktien für mehr Geld zurückkaufen.

Aus diesem Grund kaufen Fondsmanager und institutionelle Anleger sehr gerne Optionen um sich gegen einen Crash abzusichern. Der Kauf der Optionen kostet Geld. Dadurch ist natürlich ihre Rendite geringer. Wenn sie aber richtig liegen, dann ist der Versicherungsfall eingetreten und der Wert der Versicherung steigt.

Kaufen die Fondsmanager und institutionelle Anleger nun verstärkt Optionen, steigt die implizite Volatilität (Nachfrage) der Optionen. Dieser Anstieg der Volatilität ist messbar und für Dich kostenlos verfügbar.

 

DER VIX – INDEX DER VOLATILITÄT

 

Der VIX (CBOE Volatility Index), wird auch „Angstbarometer“ genannt. Er ist ein künstlich berechneter Index, der aus der Volatilität, aller gehandelten Optionen auf den S&P 500 berechnet wird. Quelle

Ich habe die Idee zu dem VIX als Crash-Indikator aus dem Buch „Erfolg im Crash“ von Dr. Florian Homm und Co-Autoren. Das sehr empfehlenswerte Buch findest Du hier.

Wenn also der VIX steigt, bedeutet das, dass die Nachfrage nach Absicherung am Markt zunimmt.

Das schöne ist, das der VIX in der Regel schon ansteigt, bevor der Aktienmarkt richtig fällt!

Ich selbst schaue mir den VIX jeden Tag einmal kurz an. Wenn Du Dir den VIX einmal am Tag anschaust, macht Dir das keine Mühe, aber sorgt dafür, dass Du aussteigen bzw. Absicherungen kaufen kannst, bevor der Markt richtig fällt. Wie Du Dir eine Absicherung kaufst, darum wird es im siebten Teil dieser Serie gehen.

Auch beim DAX gibt es einen solchen Indikator, den VDAX-NEW-Index. Ich schaue mir jedoch nur den VIX an, da der Dax in der Regel dem Trend der US-Amerikanischen Indices folgt. Zudem ist das täglich gehandelte Volumen an der NYSE (die Herausgeberin des S&P 500) 11,5 mal so groß, wie beim DAX. Von den größten Börsen der Welt, liegt die deutsche Börse erst auf Platz 12 und ist somit schon fast ein Nebenwert Quelle. Mir geht es bei dem VIX-Frühwarn-System darum, den übergeordneten Trend zu erkennen.

Im Normalfall bewegt sich der VIX um einen Wert von 15. Bei dem Crash im Jahr 2008 stieg er auf einen Wert von bis zu 89. Aktuell, bewegt sich der VIX bei unter 10, was ein im Vergleich relativ niedrigen Wert ist.

Ich habe für mich die Regel, dass ich aus dem Markt aussteige, bzw. Absicherungen kaufe, wenn der VIX in die Nähe von 19-20 steigt.

Allerdings fange ich schon an aufzupassen, wenn der VIX stark ansteigt. Jetzt aktuell ist der VIX um 40 Prozent von seinem Tief angestiegen, was mich nicht groß reagieren, aber schon etwas vorsichtiger werden lässt.

 

BEISPIEL CRASH 2015

 

Der letzte größere Rücksetzer am Markt war im Jahr 2015.

Hier der Chart des S&P 500 und darunter der Chart des VIX vom 01.03.15 – 01.01.16:

S&P Crash 2015

VIX Crash 2015

Quelle für beide Charts

Wie Du siehst, stieg der VIX stark an, bevor der Rücksetzer beim S&P 500 zu einem Crash wurde.

Wenn Du also bei einem Wert von 19-20 ausgestiegen wärst, bzw. Absicherungen gekauft hättest, hättest Du Dir einen Großteil des Rückgangs erspart.

Hier der S&P 500 und der VIX im Detail vom 08.08.15-28.08.15. Die Charts sind als Kerzen dargestellt, da die Rückgänge an den einzelnen Tagen so besser zu erkennen sind:

S&P Crash 2015 Detail

VIX Crash 2015 Detail

Wenn Du gesehen hast, dass der VIX am 20.08.15 stark ansteigt und sehr nah an einen Wert von 20 kommt, hättest Du aussteigen können, bzw. Absicherungen kaufen können.

Wärst Du ausgestiegen, hättest Du 2,5 Prozent verloren. Hast Du nichts gemacht, hättest Du einen Verlust von 11 Prozent eingesteckt.

BEISPIEL CRASH 2011

 

Auch der Rücksetzer im Jahr 2011 war mit dem VIX schön vorherzusehen.

Dazu die Charts des S&P 500 und des VIX von 2011-2012:

S&P 500 Crash 2011

VIX Crash 2011

Quelle

Wärst Du bei diesem Crash im Juni 2011 ausgestiegen, hättest Du Dir einen Rücksetzer von 20 Prozent erspart.

 

BEISPIEL CRASH 2008

 

Der Rücksetzer 2015 war in der Spitze 11 Prozent und im Jahr 2011 20 Prozent. Was ist aber, wenn der Markt mal wieder richtig einbrechen sollte, so wie in der Finanzkrise 2007-2009?

Schauen wir uns die Charts (01.01.2006-01.01.2009) dazu an:

S&P 500 Crash 2008

Quelle

VIX Crash 2008

Quelle

Bist Du nach der Regel bei 19-20 ausgestiegen, dann wäre Dein Ausstieg im Mai 2006 gewesen und Du hättest Dir den ersten kleinen Rücksetzter erspart.

Auch bei dem Rücksetzer im Februar 2007 wärst Du aus dem Markt gewesen.

Auf jeden Fall, wärst Du im August 2007 ausgestiegen und hättest so die Finanzkrise, als der S&P 500 über 50 Prozent eingebrochen ist, als Zuschauer erlebt. Du hättest kein Geld verloren, hättest gut geschlafen und wärst erst wieder eingestiegen, als der Markt wieder angefangen hat zu steigen.

Wie Du den Tiefpunkt erkennst, dazu kann ich, wenn Dich das interessiert, auch gerne eine Serie machen. Schreib mir das einfach in die Kommentare.

 

BEISPIEL CRASH IM JAHR 2000

 

Folgend die Charts des S&P 500 und des VIX von 1996-2004:

S&P 500 Crash 2000

Quelle

VIX Crash 2000

Quelle

Im Jahr 2000 zeigt sich die Schwäche des VIX-Systems. Du hast zwar den großen Crash im Jahr 2000-2003 vermieden, warst aber auch bei dem Anstieg der Kurse von 1997-2000 nicht dabei.

Der VIX zeigte jedoch klar, dass hier etwas nicht in Ordnung war.

 

NACHTEILE DES VIX-FRÜHWARN-SYSTEMS

 

Kein Vorteil ohne Nachteil.

Der erste Nachteil ist, dass Du auch bei einem kleinen Rücksetzer aus dem Markt bist und anschließend wieder einsteigen musst. Dadurch musst Du häufiger aussteigen, als vielleicht notwendig. Grundsätzlich lässt Du dabei aber alle großen Crashs aus. Damit Du Deine Aktien nicht verkaufen musst, kann es sinnvoll sein, Absicherungen zu kaufen und Deine Aktien zu behalten.

Der zweite Nachteil ist, dass Du bei einem extremen Markt, wie von 1997-2003 nicht dabei bist. Somit nimmst Du dann auch den  Anstieg vor dem Crash nicht mit.

 

FAZIT

 

Das VIX-Frühwarn-System funktioniert zuverlässig bei jedem größeren Crash und wird von einigen erfolgreichen Anlegern wie dem Manager von Deutschlands größtem Fonds Dr. Jens Eherhardt, dem ehemaligen Hedgefondsmanager Dr. Florian Homm, oder dem Trader Jens Rabe verwendet. Quelle, Quelle und Quelle

Es hat auch Nachteile, aber die Vorteile überwiegen meiner Meinung nach bei weitem.

Um einen Crash noch deutlich früher zu erkennen und auch in extrem Situationen einen Crash zuverlässig zu erkennen, zeige ich Dir im nächsten Beitrag ein weiteres Signal.

Den aktuellen VIX kannst Du Dir hier ansehen: Link

Zu dem dritten Teil, bei dem es darum geht, wie Du einen Crash anhand der Umverteilung, von den großen Anlegern an die Privatanleger zu erkennen, gelangst Du hier.

 

WAS DENKST DU ÜBER DAS VIX-FRÜHWARN-SYSTEM?

HAT DIR DIESER BEITRAG GEFALLEN UND HAST DU INTERESSE, DASS ICH AUCH DIE WEITEREN SIGNALE HIER VORSTELLE?

ICH FREUE MICH AUF DEINEN KOMMENTAR.

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