Dies ist der dritte Teil der Serie: „Wie Du einen Crash erkennst, bevor er eintritt“. In diesem Beitrag geht es darum zu erkennen, wann die großen Anleger beginnen ihre Aktien zu verkaufen und wie Du das für Dich nutzen kannst. Vor einem Crash, kommt es zu einer Umverteilung von den, wie André Kostolany sagte, starken Händen in die schwachen Hände.

Hier geht es zum ersten Teil, bei dem es darum geht, wie sich ein Crash verhält und wie groß die Gefahr in der Realität ist, dass der Markt über Nacht einbricht.

Hier gelangst Du zum zweiten Teil, in dem es darum geht, wie Du anhand der Volatilität jeden Crash mit fast 100 prozentiger Sicherheit erkennst, noch bevor er eintritt.

 

VON DEN STARKEN, IN DIE SCHWACHEN HÄNDE

 

Wenn Du eine Umverteilung am Markt erkennst, kannst Du einen Crash noch deutlich früher erkennen, als mit dem VIX. Der VIX gibt ein Signal, bevor es richtig runter geht, allerdings ist der Markt dann meist schon etwas gefallen.

Die Tage der Umverteilung helfen Dir zudem, auch in extremen Situationen, wie in den 3 Jahren vor dem Dotcom Crash im Jahr 2000. Zu dieser Zeit war der VIX, fast die ganze Zeit über 20.

Was ist das Konzept der Umverteilung?

Das Konzept, ist eine der tollen Ideen, aus dem sehr empfehlenswerten Buch: Wie man mit Aktien Geld verdient von William J. O´Neil zu dem Du hier gelangst. Ich habe nur das englische Original gelesen, aber ich gehe davon aus, dass die deutsche Ausgabe genauso brillant ist.

In dem Buch erklärt O´Neil, dass vor jedem Crash, die Großinvestoren und die institutionellen Anleger ihre Aktien an die Privatanleger verkaufen. Die Privatanleger gehen davon aus, dass der Kurs immer weiter steigt. Tatsächlich sinkt er dann aber.

Auch der Börsenaltmeister André Kostolany erkannte das Prinzip der Umverteilung. Er hat die Theorie vertreten, dass wenn die Kurse ihr Hoch erreicht haben, die starken Hände ihre Aktien an die schwachen Hände verkaufen. Wenn der Kurs dann gefallen ist, greifen die starken Hände beherzt zu, während die schwachen Hände verkaufen. Quelle

Dieses Konzept drückt sich in den Umverteilungstagen aus.

 

WARUM DIE PRIVATANLEGER VERLIEREN

 

Wenn Du Dich näher mit der Böse beschäftigst fällt Dir auf, dass Privatanleger häufig diejenigen sind, die genau das falsche machen. Sie kaufen, wenn die Börsen an ihrem Hoch notieren und verkaufen, wenn sie an ihrem Tief sind.

Aber warum ist das so? Der Grund ist in der Psychologie zu finden. Wenn unsere Vorfahren nach einem langen Marsch eine Wasserquelle gefunden haben, mussten sie zuschlagen. Wenn allerdings ein Löwe auftauchte, dann hieß es zu flüchten, was das Zeug hält. Dieser Trieb beeinflusst uns auch an der Börse. Wenn der Markt toll aussieht, sind wir verleitet einzusteigen. Sieht der Markt gefährlich aus, wird unser Fluchtinstinkt wach. Unsere Psyche sorgt dafür, dass wir genau das Falsche tun.

Nebenbei: Ein weiteres schönes Signal, dass Dir zeigt, dass Du aussteigen solltest, ist der „Bild-Zeitung-Indikator“. Wenn die Bild-Zeitung jubelnd berichtet, dass die Märkte neue Rekorde aufstellen, so wie sie es im Jahr 2000 und 2007 getan hat, dann solltest Du aussteigen. Quelle

Der Großteil der Privatanleger, verliert mit seinem Depot Geld Quelle. Darum ist es so wichtig, dass Du Dich mit der Börse beschäftigst und lernst, was funktioniert und was nicht funktioniert. Die Börse ist kein Casino, wo der Erfolg von Deinem Glück abhängt, sondern an der Börse gibt es feste Muster. Wenn Du an der Börse erfolgreich sein willst, dann musst Du Wege und Möglichkeiten finden, die wiederholbar sind. Es bringt Dir nichts, wenn Du einmal die Superaktie findest, aber in Summe Geld verlierst.

 

WIE FUNKTIONIEREN DIE TAGE DER UMVERTEILUNG?

 

Die institutionellen Investoren verwalten viele Milliarden Euro bzw. US-Dollar. Manche verwalten sogar Billionen, wie der norwegische Staatsfonds oder BlackRock. Quelle und Quelle

Angenommen, diese Investoren sind der Meinung, dass der Markt sein Hoch erreicht hat. Also wollen sie ihre Aktien verkaufen. Würden sie allerdings auf den Knopf drücken und ihre Aktien auf einen Schlag verkaufen, dann würde der Markt innerhalb von Sekunden in sich zusammen brechen.

Es gäbe in einem solchen Moment viel mehr Verkäufer, als Käufer. Das Angebot würde die Nachfrage bei weitem übersteigen und der Kurs würde stark fallen.

Wie verkaufen nun aber die großen Spieler? Sie verkaufen einfach sehr langsam. Sie geben über einen Zeitraum von mehreren Tagen, Wochen und Monaten immer wieder Aktien in den Markt und fahren so ihre Aktienquote langsam herunter.

Tatsächlich läuft es sogar so, dass sie selbst immer wieder kaufen, um den Markt zu stabilisieren. Das macht auf den ersten Blick keinen Sinn, aber Du verstehst gleich, warum es sich lohnt.

 

DAS GEHANDELTE VOLUMEN

 

Das durchschnittliche gehandelte Volumen an der NYSE, der größten Börse der Welt, liegt am Tag bei durchschnittlich etwa 169 Mrd. US-Dollar. Quelle.

Würde ein Großinvestor seine Aktien im Wert von einer Billionen US-Dollar auf einen Schlag verkaufen wollen, kannst Du Dir vorstellen, was mit den Aktienkursen passieren wurde.

Wie werden nun die großen Investoren ihre Aktien los? An dem einen Tag, verkaufen sie große Volumen. Also sinkt der Kurs etwas. Am nächsten Tag, kaufen sie dann wieder, aber deutlich weniger, als sie zuvor verkauft haben. Das bedeutet, an dem Tag, bei dem sie kaufen, ist das Volumen geringer, als an dem Tag, wenn sie verkaufen. Der Kurs bleibt somit relativ stabil.

Diese großen Investoren haben so viel Money-Power, dass sie auch einen Abwärtstrend aufhalten können. Das sieht man häufig, wenn der Kurs von einem Index oder eine Aktie fällt. Dann kaufen die Großinvestoren, die noch nicht verkauft haben um den Kurs zu stabilisieren. Anschließend verkaufen sie ihre Aktien. Quelle

 

BEISPIEL APPLE

 

Folgend zur Verdeutlichung, wie die großen Anleger vorgehen und welche Macht sie haben, hier als Beispiel die Aktie, des teuersten Unternehmens der Welt (Wert: 909 Mrd. USD) Quelle. Die Apple-Aktie vom 11.10.13-12.10.13.

Apple Umverteilung

Quelle

Unerfahrene Anleger haben in einem solchen Moment nur auf den Chart geschaut und geglaubt, dass dies das Ende des Rücksetzers war. Du erkennst aber, dass das Volumen bei den Verkäufen deutlich größer war, als das Volumen bei den Käufen. Das Volumen kannst Du an den roten und grüne Balken unter dem Chart ablesen.

Dies soll nur als Beispiel dienen, damit Du erkennst, wie die großen Anleger vorgehen.

 

WIE DU DIE TAGE DER UMVERTEILUNG ERKENNST

 

Um einen bevorstehenden Crash zu erkennen, kannst Du schauen, wie sich der Markt in den vergangenen Tagen bewegt hat. Ich selbst schaue mir dazu jeden Tag einmal kurz ETF´s auf die wichtigen Indices an. Also auf den S&P 500, den Nasdaq Composite und manchmal auch den Russell 2000.

Ein Umverteilungstag ist es aus meiner Sicht wenn:

  • 1.) Der jeweilige Index um mindestens 0,2 Prozent fällt
  • 2.) Das Volumen gegenüber dem Vortag gestiegen ist

Hier die Links zu den Indices:

S&P 500: Link

Nasdaq Composite: Link

Russell 2000: Link

Ein einzelner Tag der Umverteilung hat noch keine Aussagekraft. Es kann immer mal wieder vorkommen, dass ein paar Anleger an einem Tag mehr verkaufen wollen, als sie an einem anderen Tag kaufen wollen.

Es geht darum, ein Muster zu erkennen. Ich fange an aufzupassen, wenn in einem Index, wie dem S&P 500 innerhalb von etwas mehr, als einem Monat, mindestens vier bis sechs Tage der Umverteilung stattfinden. Auf Börsenhandelstage gerechnet, an mindestens 25 Tagen.

Wie Dir in den folgenden Beispielen auffallen wird, treten die Tage der Umverteilung meist in einem Markt auf, der in einer Seitwärtsbewegung ist. Nachdem ein Markt gestiegen ist, ging der Markt in der Vergangenheit immer in eine Seitwärtsbewegung über, die von Tagen der Umverteilung geprägt war. Erst danach drehte der Markt nach unten und endete in einem Crash.

Der Vollständigkeit halber. Warum schaue ich mir den ETF auf den jeweiligen Index an und nicht den Index direkt? Weil die ETF´s auf den jeweiligen Index deutlich liquider sind, also viel häufiger gehandelt werden, als der Index selbst. Der SPY (ETF auf den S&P 500), ist der mit Abstand, meist gehandelte ETF auf der Welt. Quelle

 

UMVERTEILUNG VOR DEM CRASH 2015

 

Hier der Chart des SPY vor dem Crash im Jahr 2015:

Umverteilung 2015

Quelle

Wie Du siehst, gab es allein in den 25 Tagen vor dem Crash im Jahr 2015, neun Tage der Umverteilung. Wärst Du nach dem fünften Tag der Umverteilung ausgestiegen, hättest Du den Crash nur als Zuschauer erlebt.

 

UMVERTEILUNG VOR DEM CRASH 2011

 

Hier der Chart des SPY vor dem Crash im Jahr 2011:

Umverteilung 2011

Quelle

Auch hier erkennst Du, dass die Tage der Umverteilung deutlich vor dem Crash aufgetreten sind.

 

UMVERTEILUNG VOR DEM CRASH 2008

 

Damit Du ein Überblick über den Crash von 2008 bekommst, hier der Chart des S&P 500 von 2006-2009:

S&P 500 2007-2010 Umverteilung

Quelle

Jetzt schauen wir uns den in rot markierten Ausschnitt an, bevor der Crash los ging. Also die Zeit von Mai bis Juli 2007:

Quelle

Bevor die Finanzkrise ausgebrochen ist, gab es in 2 1/2 Monaten 16 Tage der Umverteilung. Also im Duruchschnitt 6 Tage der Umverteilung in 25 Tagen. Wenn Du auf diese Zeichen geachtet hättest, dann hättest Du ganz klar den Sturm am Horizont aufziehen sehen.

 

UMVERTEILUNG VOR DEM CRASH 2000

 

Auch hier zeige ich Dir als erstes den übergeordneten Zeitraum, damit Du ein Überblick über den Crash von 2000 bekommst. Hier der Chart des S&P 500 von 1999-2004:

S&P 500 99-04 Umverteilung

Quelle

Nun der in rot markierten Ausschnitt, bevor der Crash los ging. Also die Zeit von Mitte April bis zum September 2000:

Umverteilung 2000

Vor dem Crash im Jahr 2000 hatten wir innerhalb von 5 Monate, 24 Tage der Umverteilung. Wie Du im Teil zwei dieser Serie gesehen hast, hat der VIX in dieser Zeit schon ein deutliches Alarmsignal gegeben. Wolltest Du dennoch dabei sein, konntest Du anhand der Umverteilung gut erkennen, dass ein Crash bald bevorsteht.

 

TAGE DER UMVERTEILUNG BEI EINZELNEN AKTIEN

 

Bisher haben wir uns die Tage der Umverteilung nur auf Indices angesehen. Das schöne bei den Tagen der Umverteilung ist, dass Du damit auch einen Crash bei einzelnen Aktien erkennst. Das ist ein großer Unterschied zu dem VIX-Frühwarn-System. Denn damit kannst Du „nur“ einen Crash im gesamten Markt vorhersehen.

Das kannst Du auf zwei Arten nutzen:

Erstens: Wenn Du die Alarmsignale bei den Indices wahrnimmst, kannst Du Dir um einen bevorstehenden Crash noch etwas genauer zu erkennen, bzw. um Dich zu versichern, wie laut die Alarmglocken schrillen, auch noch die führenden Aktien ansehen. Damit sind die Aktien gemeint, für die sich im aktuellen Markt alle Anleger interessieren. Aktuell sind das unter anderem Apple, Google, Amazon etc.

Zweitens: Wenn Du Dir einzelne Aktien ansiehst, kannst Du auch dort einen bevorstehenden Crash erkennen. Bei einzelnen Aktien kann es allerdings sein, dass der Kurs auch mal einbricht, ohne das es vorher die Tage der Umverteilung gegeben hat. Zum Beispiel, wenn der Markt von schlechten Quartalszahlen überrascht wird.

 

NACHTEILE DER TAGE DER UMVERTEILUNG

 

Der VIX-Frühindikator, gibt Dir ein sehr klares Signal. Ja oder nein. Das Signal der Umverteilung, ist im Gegensatz dazu, nicht immer schwarz oder weiß. Die Welt ist bei vier Tagen der Umverteilung nicht rosig und am fünften Tag dann düster. Der Übergang ist hier fließend.

Damit sind wir auch bei dem zweiten Nachteil. Die Tage der Umverteilung sind ziemlich treffsicher, aber es kann auch einmal vorkommen, dass sie Dir ein Falschsignal liefern. Wenn ich 5 Tage der Umverteilung in 25 Handelstagen sehe, dann werde ich sehr vorsichtig. Sehen die anderen Indikatoren, die ich Dir in den folgenden Teilen vorstelle, aber noch positiv aus, würde ich meine Aktien nicht direkt komplett verkaufen. Wie schon im zweiten Teil besprochen, kann es für Dich sinnvoller sein, eine Absicherung zu kaufen, als direkt alle Aktien zu verkaufen.

Auch bedeuten 5 Tage der Umverteilung nicht, dass der Markt am sechsten Tag dann in sich zusammenbricht. Wie Du im Jahr 2000 und 2008 gesehen hast, können sich die Tage der Umverteilung auch über mehrere Wochen und Monate hinziehen, bevor der Crash dann tatsächlich auftritt. Wenn Du aber die Tage der Umverteilung im Auge behältst, auf den VIX achtest und dazu noch die anderen Indikatoren betrachtest, die ich Dir in den folgenden Teilen vorstelle, dann kannst Du den richtigen Punkt um auszusteigen schon relativ genau erkennen.

 

FAZIT

 

Wenn Du Dir die Tage der Umverteilung anschaust, erkennst Du einen Crash sehr deutlich, bevor er auftritt. Die Tage der Umverteilung zeigen Dir einen bevorstehenden Crash noch deutlich vor dem VIX-Frühwarn-System. Ich schaue mir neben den Tagen der Umverteilung und dem VIX noch weitere Indikatoren an. Den nächsten zeige ich Dir im vierten Teil dieser Serie.

Vielleicht wirst Du denken, dass das erkennen der Umverteilung Arbeit macht. Das stimmt, aber wenn Du dadurch einen großen Rücksetzer vermeiden kannst, dann rechne Dir bei Deinem Kontostand mal Deinen Stundenlohn aus. Wenn Du jeden Tag einmal eine Minute schaust, ob der S&P am Vortag mehr als 0,2 % Prozent gefallen ist, sind das im Jahr etwa 3 1/2 Stunden. Hast Du ein Depot von 10.000 Euro und der Markt verliert bei einem Crash 50 Prozent, den Du dadurch vermeidest, dann würde Dein Stundenlohn 1.400 Euro betragen.

Im nächsten Teil, erfährst Du, wie Du anhand des Volumens erkennen kannst, ob ein Crash bevor steht.

 

 

WAS DENKST DU ÜBER DIE TAGE DER UMVERTEILUNG?

HAT DIR DIESER BEITRAG GEFALLEN UND HAST DU INTERESSE, DASS ICH AUCH DIE WEITEREN SIGNALE HIER VORSTELLE?

ICH FREUE MICH AUF DEINEN KOMMENTAR.

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