In diesem Teil fünf der Serie„Wie Du einen Crash erkennst, bevor er eintritt“  geht es darum, wie Du die Angst und Gier an den Märkten messen kannst und wie Du das nutzen kannst, um damit einen Crash vorzeitig zu erkennen.

Zum erste Teil, bei dem es darum geht, wie sich ein Crash verhält und wie groß die Gefahr in der Realität ist, dass der Markt über Nacht einbricht, gelangst Du hier.

Den zweiten Teil, in dem es darum geht, wie Du anhand der Volatilität jeden Crash mit fast 100 prozentiger Sicherheit erkennst, noch bevor er eintritt, findest Du hier.

Im dritten Teil geht es darum, wie Du erkennst, das die großen Anleger verkaufen und ihre Aktien an die Privatanleger verteilen. Das passiert in der Regel, bevor der Markt crasht. Zu diesem Teil gelangst Du hier.

Im vierten Teil erfährst Du, wie Du das Volumen als Indikator nutzen kannst. Du diesem Beitrag gelangst Du hier.

 

ANGST UND GIER BESTIMMEN DIE KURSE

 

Angst und Gier sind die beiden Faktoren, die die Kursentwicklung an der Börse bestimmen. Haben die Anleger Angst, dass der Kurs abstützen könnte, verkaufen sie. Dadurch sinken die Kurse tatsächlich.

Verfallen sie dagegen der Gier, dann kaufen sie und treiben damit die Kurse in die Höhe.

Da diese beiden Faktoren die Kurse so sehr beeinflussen, ist es für Dich wichtig, dass Du Deine Gefühle unter Kontrolle behältst. Du solltest versuchen, die Märkte aus einer übergeordneten Perspektive zu betrachten und rationell zu bleiben.

Die Angst und Gier Indikatoren sind im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Indikatoren nicht so eindeutig (schwarz und weiß). Sie sind allerdings sehr wichtig um ein Gefühl für den Markt zu bekommen. Im nächsten Teil bekommst Du wieder einen sehr konkreten Indikator an die Hand.

Um die Angst und die Gier am Markt zu erkennen, gibt es zwei verschiedene Sichtweisen. Die übergeordnete und die kurzfristige Sichtweise. Die übergeordnete Entwicklung hilft Dir ein Gefühl für den Markt zu bekommen. Eine konkrete Entscheidung, solltest Du allerdings, wenn dann anhand der kurzfristige Entwicklung treffen.

Als erstes zeige ich Dir zwei übergeordnete und anschließend zwei kurzfristige Indikatoren.

 

DIE ANGST UND GIER ANHAND DER SCHULDEN ERKENNEN

 

Je mehr die Anleger in Gier verfallen, desto mehr kaufen sie. Allerdings kaufen viele Anleger nicht nur mit eigenem Geld, sondern nehmen sich zusätzlich Schulden auf, um damit Aktien zu kaufen.

Um das Ausmaß von einem bevorstehenden Crash abzuschätzen, kann es für Dich sehr hilfreich sein zu wissen, wie stark der Markt durch die Aufnahme von Schulden getrieben wird.

Um Aktien auf Kredit zu kaufen, ist ein sogenanntes Margin-Konto notwendig. Bei einem Margin-Konto, werden die Aktien die Du in Deinem Depot hast, als Sicherheit hergenommen. Hast Du zum Beispiel in Deinem Depot Aktien von großen Unternehmen, dann beträgt die Sicherheit, je nach Broker 50 Prozent. Das bedeutet, dass Du zusätzlich zu Deinen Aktien mit einem Wert von 10.000 Euro, noch weitere Aktien für 20.000 Euro kaufen kannst. Quelle

Sinkt nun allerdings der Kurs, dann reichen Deine Sicherheiten nicht mehr aus und Du bekommst von Deinem Broker einen sogenannten Margin-Call. Das bedeutet, dass Du entweder zusätzliches Geld auf Dein Konto überweist oder dass Du Aktien verkaufst. Machst Du bei einem Margin-Call nichts, dann verkauft Dein Broker automatisch Aktien für Dich, so lange, bis Deine Sicherheiten wieder ausreichend sind.

Sinkt nun also der Kurs des Marktes, bekommen die Anleger Angst. Natürlich stoßen sie dann als erstes Die Aktien ab, die sie auf Kredit erworben haben, beziehungsweise wenn die Marginauslastung überschritten wird, verkauft der Broker die Aktien. Dadurch kann ein Markt der durch Schulden getrieben ist, deutlich stärker einbrechen, als ein Markt, wo die Anleger nur mit Eigenkapital Aktien gekauft haben.

Wenn Du Dir den folgenden Chart ansiehst, stellst Du fest, dass auf eine hohe Kreditaufnahme in der Regel ein Crash gefolgt ist. Hier die NYSE Margin Dept (Gesamtsumme der Schulden, die an der NYSE investiert sind) und dazu der S&P 500:

Margin-Debt

Quelle

Anhand der Schuldenaufnahme, würde ein Crash längst bevor stehen. Da durch die Notenbanken die Zinsen allerdings aktuell sehr günstig sind, kann der Aufwärtstrend auch noch lange weiter gehen.

Wenn Du investierst, solltest Du die Schuldenaufnahme im Verhältnis zum S&P 500 allerdings immer im Hinterkopf behalten.

Die aktuellen Zahlen des NYSE Margin Dept kannst Du Dir hier ansehen. Eine Übersicht wird regelmäßig von Advisor Perspectives bereit gestellt.

 

MIT DEM BUFFETT-INDIKATOR DIE ANGST UND GIER ERKENNEN

 

Der von mir sehr geschätzte Investor Warren Buffett hat einen Indikator erdacht. Dieser so genannte Buffett-Indikator zeigt Dir das Bewertungsverhältnis des Aktienmarktes zur Wirtschaftsleistung eines Landes.

Anhand des Buffett-Indikators kannst Du sehr einfach erkennen, ob der Markt sich gerade in einem Zustand der Angst oder der Gier befindet.

Dafür wird der Marktwert aller börsengehandelten Unternehmen eines Landes durch das Bruttoinlandsprodukt eines Landes geteilt. Ein Wert von 100 Prozent sagt aus, dass der Börsenwert aller Unternehmen der Wirtschaftskraft eines Landes entsprechen.

Hier ein Chart des aktuellen Buffett-Indikators bezogen auf die USA:

Buffett-Indikator

Quelle

Mit dem Buffett-Indikator kannst Du klar erkennen, dass die Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt so hoch ist, wie zuletzt vor dem Crash im Jahr 2000.

Den aktuellen Chart kannst Du Dir bei Advisor Perspectives ansehen.

Schauen wir uns nun zwei kurzfristige Indikatoren an.

 

DIE ANGST UND GIER MIT DEM PUT/CALL-RATIO ERKENNEN

 

Einen Indikator, den ich mir jeden Tag einmal kurz ansehe, ist das Put/Call-Ratio.

Wie schon beim Teil zwei dieser Serie beschrieben, bei dem es um die Volatilität der Optionen ging, bezieht sich auch dieser Indikator auf Optionen (Versicherungen).

Dabei wird das Verhältnis von der Nachfrage nach Absicherung, sowohl gegen steigenden, als auch gegen fallende Kurse betrachtet.

Hier eine Übersicht, wie das Put/Call-Ratio dargestellt wird vom 17.01.18:

Put Call Ratio

Quelle

Wie Du in der letzten Spalte siehst, schwankt das Put/Call Ratio an einem Tag erheblich.

Wenn die Zahl über eins ist, bedeutet das, dass mehr Anleger Puts, als Calls kaufen. Ein Put ist eine Absicherung gegen fallende Kurse und ein Call eine Absicherung gegen steigende Kurse.

Wenn Du Werte innerhalb eines Tages von unter 0,5 siehst bedeutet das, dass die Anleger gerade extrem gierig sind, weil sie die Angst vor fallenden Kursen verlieren und im Durchschnitt auf einen steigenden Markt setzen.

Steigen die Werte auf über 1,5, bedeutet das, dass die Anleger doppelt so viele Puts, wie Calls kaufen und somit die Angst im Markt überwiegt. Der Durchschnitt der Anleger fürchtet sich in einem solchen Moment vor fallenden Kursen.

Wenn das Put/Call-Ratio auf unter 0,5 fällt oder über 1,5 an einem Tag steigt, werde ich vorsichtig. Dabei genügt es, wenn dieser Wert an einem Tag einmalig auftritt. Die Aussage von dem Put/Call-Ratio führt nicht dazu, dass ich aus dem Markt aussteige, aber ich betrachte die anderen Indikatoren, die ich Dir in dieser Serie vorgestellt habe, noch einmal deutlich genauer.

Das Put/Call-Ratio kannst Du Dir hier ansehen.

 

DIE ANGST UND GIER MIT DEM FEAR & GREED INDEX ERKENNEN

 

Der nächste Indikator, ist der von CNN Money herausgegebene Fear & Greed Index. Er nutzt verschiedene Indikatoren, um die Angst und Gier in dem Markt grafisch darzustellen.

Der Fear & Greed Index wird aus 7 Indikatoren berechnet, nämlich aus:

  • einem 125er Durchschnitt
  • dem Put/Call-Ratio
  • dem Verhältnis von Aktienkäufen zu Anleihekäufen, auch „sichere-Hafen-Nachfrage“ genannt
  • das Verhältnis von Aktien mit einem neuen 52 Wochen Hoch, zu einem neuen 52 Wochen Tief
  • das Volumen von gestiegenen und gefallenen Aktien an der NYSE
  • dem VIX

Quelle

Der Fear & Greed Index nutzt also relativ ähnliche Indikatoren, wie die, die wir uns bisher in dieser Serie angesehen haben.

So sah der Fear & Greed Index aus am 17.01.18:

Fear & Greed Index

Quelle

Den Fear & Greed Index schaue ich mir an, ich würde aber nicht nur danach mein Handeln ausrichten. Den Fear & Greed Index nehme ich vor allem, um ein besseres Gefühl für den aktuellen Markt zu bekommen.

Bei Werten über 80 und unter 20, solltest Du vorsichtiger werden.

Den Fear & Greed Index kannst Du Dir hier ansehen.

NACHTEILE DER INDIKATOREN AUF DIE ANGST UND GIER

 

Sowohl das Schuldenverhältnis zum S&P 500, der Buffett-Indikator, das Put/Call Ratio, als auch der Fear & Greed Index, geben keine konkrete Aussage, an dem ich mein Handeln ausrichte, so wie zum Beispiel bei dem VIX. Die vier Indikatoren geben Dir allerdings ein gutes Gefühl für den Markt.

Wenn die anderen Anzeichen jedoch eher negativ aussehen und vor allem die beiden kurzfristigen Indikatoren auf Sturm stehen, dann steige ich aus, beziehungsweise kaufe Absicherungen.

 

AKTUELLE SITUATION

 

Beispielsweise ist der VIX heute (17.01.18), seit seinem Tief am 04.01.18 um 40 Prozent angestiegen, während das Put/Call Ratio heute in der Spitze bei 1,26 war und der Fear & Greed Index bei 81 steht.

Der S&P 500 ist alleine in den ersten 17 Tagen diesen Jahres um 4,61 Prozent angestiegen. Würde der S&P 500 in dieser Geschwindigkeit weiter ansteigen, dann würde der S&P sich in diesem Jahr verdreifachen. Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Von daher rechne ich in näherer Zukunft mit einem kleineren Rücksetzer oder zumindest mit einer Seitwärtsphase.

In einer solchen Situation gehe ich keine neuen Positionen ein und bleibe sehr wachsam. Sollte der Markt einen Rücksetzer erleben, dann würde ich ein paar Aktien nachkaufen. Wenn der VIX allerdings nicht weiter ansteigt, dann werde ich wieder gelassen.

 

FAZIT

 

Das Verhältnis von Schulden zum S&P 500, der Buffett-Indikator, das Put/Call Ratio und der Fear & Greed Index helfen Dir ein besseres Gefühl für den Markt zu bekommen.

Als Crash-Indikatoren nutze ich sie in Verbindung mit den anderen Indikatoren, die für mich allerdings eine höhere Gewichtung haben. Trotzdem schaue ich mir vor allem die beiden kurzfristigen Indikatoren zusammen mit den anderen Indikatoren jeden Tag einmal kurz an.

Im nächsten Beitrag stelle ich Dir den letzten Indikator vor, den ich nutze, um einen Crash zu erkennen, bevor er eintritt. Dieser Indikator ist zugleich ein sehr simpler. Du kannst also gespannt sein.

 

 

WAS DENKST DU ÜBER DIE IN DIESEM TEIL VORGESTELLTEN INDIKATOREN?

ICH FREUE MICH AUF DEINEN KOMMENTAR.

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