Solltest Du Deine Aktien verkaufen und Deine Gewinne mitnehmen? Ob das Sinn macht, erfährst Du in diesem Beitrag.

 

WARUM ÜBERHAUPT GEWINNE MITNEHMEN

 

Immer wieder lese ich, dass empfohlen wird, dass Du Deine Gewinne mitnehmen solltest. Gerade in Zeiten, wo die Börsen oder eine Aktie gut gelaufen ist, werden die Stimmen, die für eine Gewinnmitnahme sprechen laut.

Der Grund, warum Dir dazu geraten wird, dass Du Deine Gewinne mitnehmen solltest ist, dass Du dann Deinen Gewinn eingestrichen hast und ihn Dir keiner mehr wegnehmen kann. Hast Du Deine Aktien verkauft, dann kann es Dir egal sein, was der Markt macht.

In der Serie „erkenne den Crash, bevor er eintritt“, bin ich darauf eingegangen, dass die Börse vor allem durch Angst und Gier getrieben ist.

Wenn Du Deine Gewinne mitnimmt, dann lässt Du Dich jedoch eher von Deiner Angst leiten, dass der Kurs einbrechen könnte.

Aber wann ist das Hoch erreicht? Würdest Du bei dem folgenden Chart verkaufen?:

Gewinne mitnehmen

Quelle

Wärst Du am Anfang des Charts eingestiegen und am Ende wieder ausgestiegen, dann hättest Du deinen Einsatz mehr als verdreifacht. Also Grundsätzlich scheint es doch eine gute Idee zu sein, seine Gewinne mitzunehmen.

Jetzt sage ich Dir allerdings, dass dies der Chart der Apple-Aktie von Anfang 2012 bis Ende 2013 ist. Wärst Du nicht ausgestiegen, sondern hättest die Aktie bis heute behalten, dann hättest Du Deinen Einsatz sogar versechsfacht. Dazu kommt, dass Apple mittlerweile Dividende zahlt, die Du dann natürlich auch nicht erhalten hättest.

Wärst Du also Ende 2013 ausgestiegen, dann hättest Du Dich wahrscheinlich im nachhinein sehr geärgert.

Mir ist es zu Beginn meiner Geldanlage einmal so gegangen. Ich hatte die Aktie Fresenius damals für 28 Euro pro Stück gekauft und für 48 Euro wieder verkauft. Heute steht sie bei 68 Euro. Quelle

 

WAS IST FALSCH DARAN SEINE GEWINNE MITZUNEHMEN?

 

Neben dem Problem, dass ich damals bei Fresenius hatte, ergeben sich, wenn Du Deine Gewinne mitnehmen solltest, weitere vier Probleme:

1.) Ordergebühren

Wenn Du Deine Aktien verkaufst, dann fallen dafür Ordergebühren an. Willst Du Dein Geld erneut investieren, dann fallen dafür erneut Ordergebühren an. Die einzelne Order ist relativ günstig. Wenn Du Deine Gewinne aber häufig mit nimmst, dann summieren sich die Ordergebühren schon zu einem kleinen Vermögen auf.

Es gilt die alte Börsenweisheit: „Hin und her macht Tasche leer“

2.) Steuern

In Deutschland sind Kursgewinne so lange steuerfrei, bis Du Deine Aktien verkaufst. Wenn Du Deine Gewinne mit nimmst, dann musst Du Deine Gewinne versteuern und kannst bei einer Kapitalertragssteuer von etwas über 26 Prozent nur noch 74 Prozent Deines Geldes investieren. Dem Zinseszins nimmst Du so massiv den Wind aus den Segeln.

3.) Zeitaufwand

Wenn Du ständig Deine Aktien kaufst und wieder verkaufst, dann musst Du sehr viel Zeit dafür investieren. Je kürzer die Zeiteinheiten, desto stressiger wird es für Dich.

Ich habe mal einen Daytrader kennen gelernt. Er wirkte immer sehr angespannt und stand ständig unter Strom. Entspannt leben ist etwas anderes.

4.) Opportunitätskosten

Angenommen, Du hast Deine Aktien nun verkauft. Und dann? Was hast Du mit dem Geld vor? Wenn es nur auf Deinem Konto liegt, dann kann Dein Geld nicht arbeiten.

Du musst Dich dann also nach neuen Investitionsmöglichkeiten umsehen. Die Frage ist, was hat Dich damals in die Aktie investieren lassen und was hat sich seitdem geändert. Ist Dein Verkauf wirklich gerechtfertigt, oder ist er eher von Deiner Angst getrieben?

 

GEWINNER- ODER VERLIERER-AKTIE?

 

Wann nimmst Du Deine Gewinne mit? Natürlich bei Aktien die gestiegen sind. Dadurch verkaufst Du allerdings die Aktien die wirklich gut laufen.

Die Verlierer-Aktien sammeln sich dadurch in Deinem Depot an und verhindern eine gute Rendite.

Hättest Du zum Beispiel MC-Donalds, egal wann verkauft, dann hättest Du sehr viel Geld „nicht“ verdient.

Hier der Chart der MC-Donalds Aktie seit 1970 bis heute:

MC-Donalds Chart historisch

Quelle

Auch hier gilt wieder eine alte Börsenweisheit: „Gewinner neigen dazu Gewinner zu bleiben. Verlierer neigen hingegen dazu Verlierer zu bleiben“.

Es kann sogar eher das Gegenteil Sinn machen, nämlich die Aktien in Deinem Depot zu verkaufen, die seit Jahren scheinbar am Boden kleben. Diese solltest Du allerdings auch nur dann verkaufen, wenn Du herausgefunden hast, was der Grund dafür ist, dass diese Aktie nicht weiter steigt.

 

GRÜNDE EINE AKTIE ZU VERKAUFEN

 

Grundsätzlich macht es aus meiner Sicht Sinn, wenn Du eine Aktie gekauft hast, diese mit dem Anlagehorizont „für immer“ zu kaufen.

Allerdings gibt es für mich drei Gründe, warum ich eine Aktie auch bereit bin zu verkaufen:

1.) Bessere Möglichkeit

Wenn ich eine tolle Möglichkeit zum Investieren finde und dort unbedingt investieren möchte, aber keine freien Mittel habe.

Wenn das allerdings passiert, dann versuche ich vorrangig die Aktien zu verkaufen, die meine Erwartungen nicht erfüllt haben. Die Gewinner-Aktien lasse ich weiter laufen.

2.) Das Geschäftsmodell hat sich verändert oder eben nicht verändert

Wenn ich erkenne, dass eine Firma ihr Geschäftsmodell so verändert, dass ich darin keine guten Zukunftsaussichten sehe, dann steige ich aus.

Das gleiche gilt dann, wenn eine Firma ihr Geschäftsmodell nicht der Zukunft anpasst. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Firma Kodak, die den Anschluss an die Digitalkamera verschlafen hat. Auch Nokia ist ein Beispiel für eine Firma, die damals dachte, sie muss sich nicht verändern.

Es gibt aber auch positive Beispiele. Ich halte die Aktie von IBM schon seit vielen Jahren. Weil das Hardwaregeschäft nicht mehr gut lief, hat IBM dieses Segment nach und nach verkauft. Das Geld hat IBM in das wachsende Cloud Geschäft und in künstliche Intelligenz investiert (Watson). Als der Kurs von IBM gesunken ist, habe ich die Möglichkeit genutzt um nachzukaufen.

3.) Du erkennst klar einen bevorstehenden Crash

In der siebenteiligen Serie „erkenne den Crash, bevor er eintrit“, bin ich darauf eingegangen, anhand welcher Indikatoren ich es für möglich halte, einen bevorstehenden Crash zu erkennen.

Du kannst Deine Aktien natürlich auch im Crash weiter halten. Wenn ich jedoch einen Crash erkenne, dann kaufe ich mir Absicherungen und wenn es richtig Berg ab geht, dann ziehe ich auch in Betracht, zumindest einen Teil zu verkaufen.

Das ist allerdings eine Frage der Mentalität.

 

FAZIT

 

Den größten Erfolg wirst Du dann an der Börse haben, wenn Du auf die Aussage „Gewinne mitnehmen“ einfach nicht reagierst und Du Deine erfolgreichen Aktien weiter hältst.

Buy and Hold, wie sich die Strategie nennt, bedeutet für mich allerdings nicht, einfach nur stumpf zu investieren und nichts zu tun, sondern den Markt und die Aktien in meinem Depot immer wieder zu beobachten. Wichtig dabei ist, dass Du Dich nicht von Deinen Emotionen leiten lässt, sondern die Firmen und die Geschäftsentwicklung mit einem rationellen Blick beurteilst.

 

 

WAS DENKST DU? SOLLTE MAN DIE GEWINNE MITNEHMEN ODER NICHT?

ICH FREUE MICH AUF DEINEN KOMMENTAR.

 

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